Mittwoch, 11.10.06
Wir hatten die Township Tour für den Nachmittag gebucht, also hatten wir am Vormittag Zeit um uns die Innenstadt etwas näher anzusehen. Zuerst besuchten wir das Castle of Good Hope, das älteste europäische, noch im Original erhaltene Gebäude Südafrikas. Von den Bastionen des fünfeckigen Baus hat man einen schönen Rundblick über die umliegenden Stadtteile, zum Tafelberg und zur Waterfront.
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![]() De Kat Balkon im Castle of Good Hope
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![]() Innenhof mit Blick zum Tafelberg
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![]() Das Parlament
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![]() ein Teil der Universität
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![]() Gebäude an der Long Street |
![]() St. George's Cathedral |
Nach dem Stadtbummel gingen wir an der Waterfront Mittagessen, und warteten schon sehr gespannt auf die Township Tour. |
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Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt wurden wir von Samantha, unserem Guide, bei der Tourist Info abgeholt. Sie bietet mit 2 Kollegen unter dem Namen "Camissa Travel and Marketing" Township Touren in Kleingruppen an. Wir waren zu viert, die beiden anderen Teilnehmer waren ein holländisches Pärchen.
Zuerst fuhren wir mit dem Minibus zum District Six, einem ehemaligen gemischt-rassigen Viertel im Zentrum von Kapstadt, das dem Apartheits-Regime ein Dorn im Auge war und bis auf wenige Ausnahmen dem Erdboden gleich gemacht wurde. Nur einige Kirchen wurden verschont. Die Leute wurden nach jahrelangem Widerstand - streng nach Rassen getrennt - in die jeweiligen Townships abgesiedelt. Nicht zuletzt aufgrund des gewaltsamen Vorgehens der Polizei ist das Viertel bis heute fast unbebaut, da sich kaum jemand hier ansiedeln beziehungsweise hier bauen wollte. Erst jetzt kehrt ganz langsam wieder Leben in das Viertel ein.
Danach fuhren wir in die schwarze Township Langa (Xhosa für "Sonne"), wo auch Samantha geboren und aufgewachsen ist, und auch nach wie vor dort lebt. Wir besuchten Momsa, eine alte Frau, die die Traditionen der Xhosa - der in Langa vorherrschenden Bevölkerungsgruppe - hoch hält und aufzeichnet. Sie hat uns bei selbst gebrautem Ingwerbier über die nach wie vor gelebten Gebräuche und Riten erzählt. Diese werden bei Bedarf der Gegenwart angepasst, so dauert z.B. der Initiationsritus der jungen Männer nicht mehr 3 Monate, sondern nur noch 3 Wochen - und findet in den Schulferien statt... Als nächstes besuchten wir ein Gemeinschaftszentrum, wo unterschiedliche Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden, vor allem im künstlerischen Bereich - Keramik, Metallbearbeitung, usw. Bei einer Arbeitslosenquote von fast 30 % ist es wichtig, dass die Leute IRGENDWAS zu tun haben. |
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Nach einem kurzen Spaziergang konnten wir Beispiele der
Wohnsituation der schwarzen Bevölkerung besuchen. Archie, ebenfalls aus Langa,
führte uns zuerst in eine alte
Arbeiter-Gemeinschaftsunterkunft, bestehend aus einem etwa 10 m2
großen Raum, der Küche, Wohn- und Esszimmer in einem ist, einem winzigen Raum
mit Fließwasser und WC, und einem ca. 2 x 3 m großen Schlafzimmer. Hier leben
11 (!) Personen, wobei diese aus drei, nicht miteinander verwandten, Familien
kommen - für uns Europäer unvorstellbar... Zu Zeiten der Apartheit hatten hier
sogar 18 Männer leben müssen - Frauen durften überhaupt nicht in die Städte kommen.
Diese Unterkünfte werden jetzt nach und nach renoviert
und werden dann an jeweils eine Familie vermietet - ein großer Schritt zu mehr
Lebensqualität. Auch die Infrastruktur - z.B. erneuerte Stromleitung, geteerte
Straßen - wird laufend verbessert.
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Zum Abschluss besuchten wir noch eine "Schafskopf-Kochstelle".
Die Fleischereien haben für die Köpfe keine Verwendung und verschenken diese.
Die Frauen bereiten sie in mehreren Schritten zu: zuerst werden die Köpfe über
offenem Feuer geröstet, dann wird die verkohlte Wolle mit heißen Flacheisen
entfernt. Die "nackten" Köpfe werden dann in Blecheimern gar gekocht,
halbiert und verkauft. Unser verrückter Holländer hat auch gleich einen
erstanden und wir haben ihn dann alle gemeinsam verzehrt - zum Vergnügen von
Samantha, Archie und den Köchinnen... Das Fleisch hat wider Erwarten überhaupt
keinen intensiven Schafgeschmack, es schmeckt eher wie gekochtes
Schweinefleisch. Mit einer Prise Salz wirklich nicht schlecht.
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Bei der Rückfahrt fuhren wir auch noch an den illegalen
Bretter- und Wellblech-Siedlungen (Shacks) vorbei. Aufgrund der hohen
Arbeitslosigkeit gibt es eine anhaltende Landflucht, und die
Neuankömmlinge sehen oft keine andere Möglichkeit, als sich einfach
irgendwo aus allem was sie kriegen können ein Dach über dem Kopf zu
bauen. |
![]() Shacks |
Es war wirklich faszinierend und beeindruckend, die ungebrochene Lebensfreude
dieser Menschen zu erleben. Wir können eine geführte Township Tour jedem
Südafrika Besucher nur empfehlen, denn anders bekommt man die Lebensweise des
überwiegenden Anteils der Bevölkerung überhaupt nicht mit. Als Tourist bewegt
man sich ja praktisch ausschließlich im "weißen" Südafrika, und
streift die Townships nur im Vorbeifahren. Allerdings sollte man unbedingt einem
kleineren Veranstalter den Vorzug geben, denn bei den großen Anbietern werden
die Touristen in Bussen möglichst schnell durch möglichst viele Townships
gekarrt, oft ohne überhaupt auszusteigen. Das hat dann was von Zoo und
Zirkus... wir haben zwar "nur" eine Township besucht, diese dafür
aber hautnah erlebt. =>
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